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Gabriele Schulz, Olaf Zimmermann: Frauen und Männer im Kulturmarkt - Bericht zur wirtschaftlichen und sozialen Lage. 508 S., 24,80 Euro: Die neue Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt" erscheint genau zum richtigen Zeitpunkt, um mehr Klarheit zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in den Kulturberufen zu schaffen. Nach den Studien „Arbeitsmarkt Kultur“ (2013) und „Frauen in Kultur und Medien“ (2016) legen die Autoren nun die dritte umfängliche Untersuchung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Kulturberufen vor. Die neue Studie weitet den Blick auf den gesamten Bereich der Kulturberufe. Corona hat alles verändert und Corona hat noch vieles sichtbarer gemacht. Dass die Seuche innerhalb von wenigen Tagen die ökonomischen Bedingungen der Künstler*innen und der kleinen kulturwirtschaftlichen Unternehmen zum Zusammenstürzen bringen konnte, zeigt, wie dünn das Eis der ökonomischen Absicherung der Frauen und Männer, die im Kulturmarkt arbeiten, ist.

"Corona" und seine Folgen machen arm. Also müssen wir darüber reden, wie eine Gesellschaft mit Armut umgeht. Beginnen wir mit einer großen Sozialreform, die das Prinzip des "Förderns und Forderns" durchsetzen sollte. Dazu schreibt der Sozialwissenschaftler Wolf Rainer Wendt: "Nachdem die Pflicht zur Unterstützung von Armen eingeführt ist, will man kontrollieren, ob sie individuell wirklich nötig ist und nicht missbraucht wird. Die "gebende Hand" sollte nicht ohne das "forschende Auge" zum Zuge kommen. Das neue englische Armengesetz von 1834 beschränkte die öffentliche Unterstützung von arbeitsfähigen Bedürftigen auf das workhouse und gestaltete dessen Verhältnisse bewusst abschreckend. ..."

Künstlerinnen: Der große Unterschied

Von Chancengleichheit für Künstlerinnen war 2019 weit entfernt. Wie 2020 besser werden kann, hat die Künstlerin und BBK-Sprecherin Heidi Sill mit Zitty-Autor Raimar Stange in einem Mailwechsel erörtert

Die Koalition der Freien Szene begrüßt, dass die Senatsverwaltung für Kultur und Europa die Handreichung „Kultur trotz(t) Corona“ herausgegeben hat. Damit bietet sie nun, kurz vor der Sommerpause, eine auf Kulturschaffende zugeschnittene detaillierte Zusammenfassung der seit März eingeleiteten Hilfsmaßnahmen. Neben dieser Rückschau bemüht sie sich nun aber endlich auch um eine spartenspezifische Aufschlüsselung der Folgen der aktuellen Corona-Verordnung für öffentliche Veranstaltungen und gibt einen Ausblick auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter den gegebenen Bedingungen.

„Bund befürchtet großen Corona-Betrug in Berlin" Die alternative Wirklichkeit des Bundeswirtschaftsministeriums

09.06.2020 Pressemitteilung des bbk berlin | Ein Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium droht Berlin mit Rückforderungen, weil aus dem Bundeszuschussprogramm für Selbständige und Kleinunternehmer*innen in mehr Fällen Geld ausgezahlt wurde, als es in Berlin überhaupt Anspruchsberechtigte gäbe.

Berliner Zeitung: Kulturmilliarde | Kritik von Künstlern, Ländern und der Opposition

Berliner Zeitung, Petra Kohse, 5.6.2020: „Der berufsverband bildender künstler*innen berlin hat mit Zorn auf die Details zur Kulturmilliarde der Bundesregierung reagiert. In der Tat sei dieses Paket eine „Weiche in die Zukunft“, wie Staatsministerin Monika Grütters (CDU) sage. Aber eine, die für Kunst und Kultur „auf das Abstellgleis“ führe. Für Freiberufler werde nichts getan, es gäbe weder „Auftrags- noch Ankaufsprogramme“, sondern: „Die Bundesregierung schickt sie alle in die Sozialfürsorge.“

KdFS Pressemitteilung 05/06/2020: Die Koalition der Freien Szene begrüßt, dass der Bund der Kultur im Konjunkturprogramm ein eigenes Kapitel widmet und seinen Worten nun endlich Taten folgen lässt. Doch leider hat das „Konjunkturpaket“ einen gravierenden Mangel: Es lässt die freiberuflichen Kulturschaffenden – und alle anderen von der Corona-Krise betroffenen Solo-Selbständigen – schlicht im Stich. Sie werden an keiner Stelle erwähnt und erhalten nach wie vor keine Zuschüsse. Das Soforthilfeprogramm, das ihnen dienen sollte, konnten sie nicht nutzen, weil damit keine Lebenshaltungskosten, Privatmiete, Krankenversicherung usw. bezahlt werden dürfen. Kein Wunder also, dass es nicht ausgeschöpft wurde. Das verbleibende Geld wird nun in Überbrückungshilfen für private Unternehmen aus der Kreativwirtschaft umgewandelt.

Zitiert aus dem aktuellen Newsletter von ProQuoteFilm am 5.6.2020: "Mit dem Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung werden 130 Milliarden Euro in die Hand genommen. Eine Menge Geld. Aber eine Entlastungszahlung für die Einkommensausfälle der Solo-Selbständigen und kurzfristig Beschäftigten ist im Corona-Konjunkturpaket nicht berücksichtigt. ... Grundsicherung ist keine Alternative, deshalb muss das Zuschussprogramm des Bundes dringend für Solo-Selbständige und kurzfristig Beschäftigte geöffnet werden, damit sie daraus auch ihre Lebenshaltungskosten bestreiten können. Endlich zukunftsgerichtet handeln heißt, nicht nur bei dem Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung, sondern bei allen aktuellen Maßnahmen, ein Gender Budgeting einzuführen. Auch diejenigen im Blick zu haben, die durch keine Lobby vertreten werden, bedeutet alleinerziehende, kulturschaffende Solo-Selbständige mit Soforthilfemaßnahme zu unterstützen.

Pressemitteilung des bbk berlin vom 4.6.2020 | Für die Staatsministerin für Kultur und Medien ist das Konjunkturpaket der Bundesregierung eine "Weiche auf Zukunft". Tatsächlich ist es eine Weiche, – da hat sie ganz recht. Für Kunst und Kultur führt sie auf das Abstellgleis. Freiberufliche Künstler*innen werden, wie alle anderen von der Corona-Krise betroffenen Solo-Selbständigen, weder gefördert – z.B. durch Auftrags- oder Ankaufsprogramme – noch erhalten sie Überbrückungszuschüsse, die das Konjunkturpaket für andere Branchen selbstverständlich vorsieht!

Der Berliner Corona-Zuschuss Soforthilfe II hat vielen professionellen Kulturschaffenden unbürokratisch und schnell das wirtschaftliche Überleben der Corona-bedingten Einnahmeausfälle ermöglicht. Der Berliner Landespolitik ist es damit gelungen, erhebliche Teile der künstlerischen, kulturellen und geistigen Substanz Berlins über die ersten drei Monate der Ausnahmesituation „Corona“ zu erhalten. Bislang weigert sich der Bund, dem Berliner Beispiel zu folgen und sein eigenes Zuschussprogramm für Selbständige und Kleinunternehmer so zu gestalten, dass aus ihm auch der Unternehmer*innen-Lohn für notwendige Lebenshaltungskosten finanziert werden kann. So geht es am dringenden Bedarf der meisten Kulturschaffenden vorbei und kann auch nicht nahtlos an das nun abgeschlossene Berliner Programm anschließen.

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